Ich hatte bereits erwähnt, dass ich seit einiger Zeit Couchsurfer bin. Ein bekannter Poetry Slammer brachte mich auf die Idee und wurde dann schnell zu meinem ersten Couchsurf-Gast. Eine sehr entspannte und inspirierende Erfahrung, die dazu führte, dass wir mittlerweile befreundet sind.
Nach ihm surfte ein echter Rock-Sänger aus Schweden meine Couch. Groß, blond, blaue Augen und mit einem unglaublichen Talent Songs zu schreiben und zu singen - ein Schnittchen, dass in Blue Jeans und weißen Unterhemd am Frühstückstisch saß. Danach hatte ich die Ehre eines echten Sizilianers, auf dessen Land ich jederzeit eingeladen bin.
Ein Grieche, der seit Jahren nichts anderes macht als zu reisen und zwischendurch jobbt, fand bei mir ebenfalls ein Dach über den Kopf.
Nun ist mir bewusst, dass man sich auf die Gewohnheiten aus anderen Ländern einstellen muss. Versuche ich tatsächlich. Mein letzter italienischer Gast strapazierte meine Geduld jedoch ein wenig.
Zunächst schaute er auf einer Party vorbei, um schon mal "Ciao" zu sagen, bei der Verabschiedung drückte er mich bereits etwas zu doll, doch das schob ich auf den angesäuselten Zustand. Ich half ihm aus einer Notlage, da sein Gastgeber spontan absagen musste und ich ihn für spontan eine Nacht aufnahm, damit er nicht draußen übernachten musste.
Dafür waren jedoch unzählige E-Mails und SMS notwendig. Am besagten Tag wollte er gegen 14 Uhr vorbei schauen, blieb dann auf einem Konzert hängen, diskutierte dann mit mir, weil ich auch Pläne hatte und war dann doch einverstanden erst um 21 Uhr vorbei zu schauen.
Gegen 23 Uhr stand er dann vor der Tür. Er bekam eine heiße Suppe, Käse-Brötchen und Tee.
Gegen 1 Uhr drängte ich auf meine wohlverdiente Nachtruhe, weil wir uns auf ein Verlassen des Hauses um 10 Uhr am nächsten Morgen geeinigt hatten. Er blieb die nächsten zwei Stunden lieber in der Küche.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits verteidigen müssen, weil ich keine Dreadlocks wollte, obwohl ich damit vieeeelll besser aussehen würde, musste mir sagen lassen, dass Public Relations doch eh was ist, was ein Türsteher vor einer Diskothek macht und ob es mir nicht möglich wäre einen Partner für meine Reise zu finden, weil das doch besser wäre.
Morgens gegen 10 Uhr schlief mein Couchsurfer noch tief und fest. Ich klopfte laut, öffnete die Fenster und bat ihm zum Frühstückstisch. Brötchen und Franzbrötchen als Hamburger Spezialität für den Weg -dazu Tee. Ich war ja Gastgeber
Die Küche fing extrem an zu müffeln, er roch moderig. Ok, jeder ist anders. Ich öffnete das Fenster. Er bestand darauf den Abwasch zu machen. Der Wasserhahn lief, das Geschirr wurde darunter gehalten, mit der bloßen sauber gewischt und noch nass in den Schrank gestellt - ich bedankte mich und spülte am Nachmittag erneut. Ich schaltete die Waschmaschine an und freute mich am Anblick der hochgeklappten Klobrille in meinem frisch geputzten Bad - Stehpinkler machen mich ja latent aggressiv. Ich putzte später den Toilettenberei erneut - mit Sagrotan.
Auf Gäste und Sitten anderer Länder muss ich bei solchen Aktionen einstellen -sehr gern, sehr spannend, deshalb verbuchte ich das meiste einfach unter "kulturellen Unterschieden", die ich ja mehr oder weniger nur eine Nacht ertragen musste.
Ich begleitete ihn zur U-Bahn und musste eher einsteigen als er. Natürlich gibt es von einem 1,50 großen Italiener ein Umarmung zum Abschied. Die darin gipfelte dass er mir mit der Hand extremst aufdringlich, zudringlich und wild durch die Haare fuhr.
Ich stieg in die Bahn und versuchte meine Hand zu kontrollieren, die ihm so unkontrolliert ins Gesicht schlagen wollte.